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Dennis Tefett · Psychologie, Erziehungs- & Sozialwissenschaften (M.Ed.) | Gesundheitsmanager (B.A.)

Persönlichkeit & Wachstum

Neuroplastizität: Warum Veränderung in jedem Alter möglich ist

Illustration: Ein erfahrener Geschäftsführer mit silbernem Haar hält ein neues Tablet auf Armlänge, skeptisch und neugierig zugleich.
Podcast · 21:48

Podcastfolge zu diesem Beitrag, gesprochen von Dennis Tefett

Warum reagiere ich so, wie ich reagiere?

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Neurowissenschaft

Ihr Gehirn: Ein lebenslang lernfähiges Organ

Die Neurowissenschaft hat eine der mächtigsten Annahmen der früheren Hirnforschung widerlegt: Dass das erwachsene Gehirn unveränderlich sei. Tatsächlich formt sich Ihr Gehirn jeden Tag neu.

Neuroplastizität bezeichnet die Fähigkeit Ihres Gehirns, seine Struktur und Funktion als Reaktion auf Erfahrungen, Lernen und Übung zu verändern. Jede Handlung, jeder Gedanke und jede emotionale Erfahrung hinterlässt Spuren in Ihren neuronalen Netzwerken. Das bedeutet: Sie sind nicht an alte Denk- und Verhaltensmuster gebunden. Veränderung ist in jedem Alter neurobiologisch möglich.

Für Führungskräfte und Menschen in Veränderungsprozessen ist dieses Wissen befreiend. Es zeigt, dass Sie nicht Opfer Ihrer Vergangenheit sind, sondern aktive Gestalter Ihrer neuronalen Architektur. Gleichzeitig erklärt es, warum Veränderung Geduld und Wiederholung erfordert: Neue neuronale Verbindungen brauchen Zeit und Übung, um sich zu festigen.

Wissenschaftliche Grundlagen

Drei Prinzipien der Neuroplastizität

Hebbian Learning

Neurone, die gemeinsam feuern, vernetzen sich stärker. Je häufiger Sie ein bestimmtes Denk- oder Verhaltensmuster wiederholen, desto stärker wird die zugehörige neuronale Verbindung.

Das Alte bleibt, das Neue gewinnt

Neuronale Verbindungen, die Sie nicht mehr nutzen, werden mit der Zeit schwächer. Das heißt aber nicht, dass ein altes Muster verschwindet. Die Lernforschung zeigt das Gegenteil: Das neue Muster wird gebahnt und gewinnt im Alltag die Oberhand, das alte bleibt als Spur erhalten und taucht unter alten Bedingungen, nach Pausen oder unter Stress wieder auf (Bouton, 2004). Wer das weiß, deutet einen Rückfall nicht als Scheitern.

Erfahrungsabhängige Plastizität

Ihr Gehirn passt sich den Anforderungen an, die Sie ihm stellen. Bogdan Draganski und Kollegen wiesen 2004 in Nature nach, dass drei Monate Jongliertraining die graue Substanz in jenen Arealen messbar vergrößern, die visuelle Bewegung verarbeiten. Nach dem Absetzen des Trainings bildete sich der Zuwachs wieder zurück.

Kernprinzip

Neurons That Fire Together, Wire Together

Wie Wiederholung und Aufmerksamkeit gemeinsam das Fundament für dauerhafte Veränderung legen.

Das von Donald Hebb formulierte Prinzip beschreibt, wie Lernen auf neuronaler Ebene funktioniert: Wenn zwei Nervenzellen wiederholt gleichzeitig aktiv sind, verstärkt sich die Verbindung zwischen ihnen. Dieses Prinzip gilt für alle Lernprozesse, ob Sie eine neue Sprache lernen, ein Instrument üben oder einen neuen Führungsstil entwickeln.

Entscheidend ist dabei: Bloße Wiederholung reicht nicht aus. Daniel Polley, Elizabeth Steinberg und Michael Merzenich zeigten 2006 im Journal of Neuroscience an trainierten Tieren, dass ein und dieselbe Reizfolge je nach Aufmerksamkeitsrichtung gegensätzliche Umbauten in der Hörrinde auslöst. Nicht der Reiz allein formt das Gehirn, sondern die Aufmerksamkeit, die auf ihn gerichtet wird. Übertragen auf Ihren Alltag heißt das: Ein neues Verhalten mit voller Präsenz zu üben wirkt anders als es nebenbei abzuspulen.

„Der Geist ist nicht ein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entfacht werden will.“

— Plutarch

Informationsplakat: Zwei Hälften mit Blick von oben auf denselben Boden. Links führt nur ein breiter Weg hindurch, rechts laufen ein breiter Weg und daneben ein feiner gepunkteter Trampelpfad. Ein Pfeil mit den Worten unter Druck biegt vom breiten Weg auf den alten ab.
Illustration: Ein erfahrener Manager mit silbernem Haar sitzt am Schreibtisch, das Tablett flach vor sich, eine Fingerspitze darauf, die Lesebrille richtig auf der Nase. Daneben ein kleiner Stapel schlichter Karteikarten mit umgedrehter oberster Karte.
Das Prinzip ist die Wiederholung mit Aufmerksamkeit. Nicht der Reiz formt, sondern die Zuwendung.
Haltung & Überzeugung

Growth Mindset: Die Denkweise, die Plastizität fördert

Wie Ihre Überzeugungen über Veränderbarkeit Ihren tatsächlichen Veränderungserfolg beeinflussen.

Lisa Blackwell, Kali Trzesniewski und Carol Dweck begleiteten Jugendliche über einen Schulübergang hinweg und berichteten 2007 in Child Development: Wer Fähigkeiten für entwickelbar hält (Growth Mindset), zeigt eine bessere Notenentwicklung als wer Begabung für festgelegt hält (Fixed Mindset). David Yeager und Kollegen bestätigten diesen Zusammenhang 2019 in Nature in einem landesweiten US-Experiment, zeigten aber ebenso seine Grenzen: Der Effekt fällt moderat aus und greift vor allem bei leistungsschwächeren Lernenden und dort, wo das Umfeld die Botschaft mitträgt.

Ein Growth Mindset bedeutet nicht naiven Optimismus. Es bedeutet, Herausforderungen als Lernchancen zu betrachten, Fehler als unvermeidbaren Teil des Wachstumsprozesses zu akzeptieren und Anstrengung als den Weg zur Meisterschaft zu verstehen, nicht als Zeichen mangelnden Talents.

Fehler als Daten

In einem Growth Mindset sind Fehler wertvolle Informationen. Jeder Rückschlag zeigt Ihnen genau, wo noch neuronale Verbindungen gestärkt werden müssen.

Prozess vor Ergebnis

Fokussieren Sie sich auf den Lernprozess, nicht nur auf das Ergebnis. In der Untersuchung von Blackwell, Trzesniewski und Dweck (2007, Child Development) sagte genau diese Haltung die bessere Notenentwicklung über zwei Jahre voraus.

Noch nicht statt nicht

Ersetzen Sie „Das kann ich nicht" durch „Das kann ich noch nicht." Diese Verschiebung verlegt die Aussage von einer festen Eigenschaft auf einen Lernstand, also genau auf die Unterscheidung, die in der Mindset-Forschung den Ausschlag gibt. Ein eigener Hirnbefund für diese Wortwahl ist damit nicht belegt.

Informationsplakat: Ein schematisches Diagramm mit den Achsen Zeit und Behalten. Links fünf Blöcke dicht an dicht mit der Beschriftung massiert, rechts fünf Blöcke weit auseinander mit der Beschriftung verteilt. Über der dichten Gruppe fällt die Linie steil ab, über der verteilten bleibt sie fast eben.
Praktische Umsetzung

Neuroplastizität gezielt nutzen

Vier Schritte, mit denen Sie die Erkenntnisse der Hirnforschung in Ihren Alltag integrieren.

Das Zielmuster klar definieren

Bestimmen Sie präzise, welches neue Denk- oder Verhaltensmuster Sie etablieren möchten. Je konkreter Ihre Vorstellung, desto gezielter können Sie die entsprechenden neuronalen Netzwerke aktivieren. „Ich möchte gelassener auf Kritik reagieren" ist besser als „Ich möchte mich verändern".

Bewusst und regelmäßig üben

Planen Sie tägliche, kurze Übungssequenzen ein. Nicholas Cepeda und Kollegen werteten 2006 im Psychological Bulletin 839 Vergleiche aus 317 Experimenten aus und bestätigten den Verteilungseffekt: über die Zeit verteilte Lerneinheiten führen zu besserer späterer Erinnerung als massierte. Regelmäßigkeit schlägt Umfang.

Emotionale Beteiligung aktivieren

Emotionale Beteiligung begünstigt das Einprägen, das ist gut belegt. Wenn Sie sich lebhaft vorstellen, wie es sich anfühlt, das neue Verhalten zu beherrschen, und dabei positive Gefühle erleben, arbeiten Sie nach meiner Erfahrung im Coaching wirksamer. Eine Effektstärke für genau diese Kombination aus Vorstellung und Gefühl gibt es nicht.

Geduld und Selbstmitgefühl üben

Neuronale Umstrukturierung braucht Zeit. Rückfälle in alte Muster sind normal und kein Zeichen des Scheiterns. Behandeln Sie sich selbst mit der gleichen Geduld, die Sie einem Kind beim Laufenlernen entgegenbringen würden.

Kernimpuls

Ihr Gehirn ist kein fertiges Produkt, sondern ein ständig im Wandel begriffenes Organ. Jeder Moment bewusster Aufmerksamkeit formt Ihre neuronalen Netzwerke. Sie entscheiden durch Ihre täglichen Gedanken, Handlungen und Gewohnheiten, welches Gehirn Sie morgen haben werden. Die Frage ist nicht, ob Veränderung möglich ist, sondern welche Veränderung Sie bewusst gestalten wollen.

Zur Vertiefung

Reflexionsimpulse

Nutzen Sie diese Fragen, um Ihr eigenes Veränderungspotenzial zu erkunden.

Welches Denk- oder Verhaltensmuster möchten Sie am dringendsten verändern? Wie genau sieht das gewünschte neue Muster aus?
In welchen Bereichen Ihres Lebens denken Sie eher in einem Fixed Mindset? Was würde sich verändern, wenn Sie dort ein Growth Mindset annehmen würden?
Welche Aktivität üben Sie derzeit regelmäßig und aufmerksam aus? Was könnten Sie in Ihren Alltag integrieren, das Ihr Gehirn gezielt in die gewünschte Richtung formt?
Wie gehen Sie mit Rückschlägen in Veränderungsprozessen um? Was würde sich ändern, wenn Sie Rückschritte als normalen Teil des neuronalen Umbauprozesses betrachten?
Welche Überzeugung über sich selbst halten Sie für unveränderlich? Was wäre, wenn auch diese Überzeugung nur ein neuronales Muster wäre, das sich neu formen lässt?

Veränderungsbereitschafts-Check

Wie veränderungsbereit sind Sie wirklich?

1. Wie reagieren Sie, wenn Sie Ihre Komfortzone verlassen müssen?

2. Wie oft probieren Sie bewusst neue Denk- oder Handlungsweisen aus?

3. Glauben Sie, dass grundlegende Veränderung in Ihrem Alter noch möglich ist?

Bitte beantworten Sie alle 3 Fragen.

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Stimmen aus der Praxis22 Bewertungen
M.K.

“Ich kam als Geschäftsführer, der ständig reagiert hat. Nach 3 Monaten hatte ich ein System, das mir erlaubt, strategisch zu führen, ohne ständig auf Abruf zu sein.”

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“Die Kombination aus psychologischer Tiefe und unternehmerischem Verständnis ist einzigartig. Dennis versteht den Druck, unter dem wir stehen.”

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Dennis Tefett, Executive Coach

Dennis Tefett

Psychologie, Erziehungs- & Sozialwissenschaften (M.Ed.) | Gesundheitsmanager (B.A.)

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