So bin ich eben
Was sich in einem halben Jahr tatsächlich bewegt

Im Gespräch fällt der Satz beiläufig und klingt wie eine Feststellung. So bin ich eben.
Er beendet das Thema zuverlässig, weil ihm niemand widersprechen kann, ohne unhöflich zu werden. Gemeint ist meist, dass Persönlichkeit feststeht. Diese Annahme galt lange auch in der Forschung. Merkmale seien ab dem dreißigsten Lebensjahr weitgehend stabil. Brent Roberts und Kollegen haben 2017 geprüft, ob das stimmt, wenn jemand aktiv daran arbeitet.
Ihre Arbeit im Psychological Bulletin fasst 207 Studien zusammen. Aufgenommen wurden nur Untersuchungen, in denen Persönlichkeitsmerkmale während einer Behandlung mehrfach gemessen wurden. Darunter waren echte Experimente mit Zufallszuteilung und einfachere Vorher-Nachher-Vergleiche. Behandelt wurde etwa eine Angststörung, das Merkmal lief nebenher mit.
Genau das macht den Befund bemerkenswert. Die Veränderung war häufig ein Nebenergebnis und kein Ziel. Die durchschnittliche Dauer betrug 24 Wochen, also ein halbes Jahr. In dieser Zeit veränderten sich die Merkmale um durchschnittlich 0,37 Standardabweichungen. Diese Zahl braucht eine Einordnung, sonst klingt sie nach nichts oder nach allem.
0,37 ist ein mittlerer Effekt. Keine Verwandlung, aber deutlich mehr als das, was sich in einem halben Jahr von selbst tut. Am stärksten bewegte sich die emotionale Stabilität, also der Umgang mit Anspannung, Sorge und Kränkbarkeit. An zweiter Stelle folgte die Extraversion. Zwei weitere Befunde derselben Arbeit sind wichtiger als der Mittelwert.
Die Veränderungen zeigten sich in experimentellen wie in nicht experimentellen Studien. Das Ergebnis hängt also nicht am Studientyp. Und sie blieben in Nachbefragungen bestehen, über das Ende der Behandlung hinaus. Damit ist der Satz, dass Persönlichkeit feststeht, in dieser Form nicht haltbar.
Was er richtig beschreibt, ist die Trägheit. Ohne Anlass bewegt sich wenig.
Was sich dabei im Menschen ändert, hat Phillippa Lally 2010 an einem einfacheren Fall vermessen. 96 Freiwillige nahmen sich ein tägliches Verhalten vor und berichteten zwölf Wochen lang, ob es ihnen leichtfiel. Die Selbstverständlichkeit stieg nicht gleichmäßig, sondern folgte einer Sättigungskurve. Erst steil, dann flacher, dann kaum noch.
Welche Eigenschaft an sich halten Sie für unveränderlich, ohne es je über ein halbes Jahr geprüft zu haben?



