Google hatte recht. Aber nicht recht genug.
2015 zeigte Googles Aristoteles-Projekt, dass Psychological Safety der stärkste Prädiktor für Teamperformance ist. Stärker als Talent, Erfahrung oder Struktur. Was Google nicht wusste: Die neurologische Grundlage geht viel tiefer.
Die meisten Führungskräfte verstehen Psychological Safety als Kulturthema: Offene Kommunikation fördern, Fehler tolerieren, psychologische Sicherheit im Team schaffen. Das ist nicht falsch. Aber es greift zu kurz.
Eine Studie vom November 2025 (MDPI) verbindet erstmals die Polyvagal Theory von Stephen Porges mit dem Coaching Leadership Style. Das Ergebnis verändert unser Verständnis grundlegend: Physiologische Sicherheit, messbar über Herzratenvariabilität und vagale Aktivität, ist die Voraussetzung für psychologische Sicherheit. Nicht ihr Ergebnis.
Das bedeutet: Ihr Team fühlt sich nicht sicher, weil Sie es sagen. Es fühlt sich sicher, weil Ihr Nervensystem Sicherheit ausstrahlt.

Drei Zustände, die alles erklären
Stephen Porges identifizierte drei neuronale Zustände, die bestimmen, ob ein Mensch kreativ zusammenarbeitet, kämpft oder sich zurückzieht. Diese Zustände sind nicht willentlich steuerbar. Sie werden durch das autonome Nervensystem reguliert.
Soziales Engagement
Der ventrale Vagus ist aktiv. Das Nervensystem signalisiert Sicherheit. In diesem Zustand sind Kreativität, Vertrauen und echte Zusammenarbeit möglich. Hier entsteht Innovation.
Kampf oder Flucht
Der Sympathikus dominiert. Das Nervensystem signalisiert Gefahr. In diesem Zustand reagieren Teammitglieder mit Wettbewerb, Kontrolle, Angst oder Aggression. Hier entstehen Konflikte.
Erstarrung
Der dorsale Vagus übernimmt. Das Nervensystem signalisiert Lebensgefahr. In diesem Zustand zieht sich das Team zurück: Resignation, Quiet Quitting, innere Kündigung.
„Der Nervensystemzustand der Führungskraft bestimmt den Nervensystemzustand des Teams. Das ist keine Metapher. Das ist Neurobiologie.“
— Basierend auf Stephen Porges, Polyvagal Theory (2011)
Ihr Nervensystem reguliert Ihr Team
Der neurobiologische Mechanismus dahinter heißt Co-Regulation. Er erklärt, warum manche Führungskräfte Räume beruhigen, während andere sie destabilisieren.
Co-Regulation ist kein abstraktes Konzept. Es ist ein neurobiologisch nachgewiesener Mechanismus, bei dem der Nervensystemzustand einer Person den einer anderen beeinflusst. Besonders stark wirkt er in hierarchischen Beziehungen.
Wenn Sie als Führungskraft in einem Meeting sitzen und innerlich unter Druck stehen, spürt Ihr Team das. Nicht bewusst. Aber die Amygdala Ihrer Teammitglieder registriert Ihre Mikrosignale: Ihre Stimmfrequenz, Ihre Gesichtsmikromimik, Ihre Atemtiefe, Ihre Körperspannung. Und passt den eigenen Alarmzustand an.
Ein reguliertes Nervensystem bei der Führungskraft reguliert das Team mit. Ein dysreguliertes Nervensystem dysreguliert es. Unabhängig davon, wie viele Werte an der Wand hängen oder wie oft Sie betonen, dass Fehler erlaubt sind.
Was Ihr Körper in den Raum sendet
Ihr Team liest permanent vier Kanäle Ihres Nervensystems. Keiner davon ist bewusst steuerbar, alle sind trainierbar.
Stimmfrequenz und Prosodie
Ein reguliertes Nervensystem erzeugt eine warme, modulierte Stimme mit natürlicher Variation. Unter Stress wird die Stimme höher, monotoner oder gepresst. Ihr Team hört den Unterschied, bevor es ihn versteht.
Gesichtsmikromimik
Die Muskeln um Augen und Mund werden vom Vagusnerv gesteuert. Ein aktiver ventraler Vagus erzeugt ein „offenes" Gesicht mit echtem Lächeln (Duchenne-Lächeln). Unter Stress wird das Gesicht maskenartig oder angespannt.
Atemtiefe und Rhythmus
Tiefe, langsame Atmung signalisiert Sicherheit. Flache, schnelle Atmung signalisiert Gefahr. Ihr Team synchronisiert unbewusst seinen Atemrhythmus mit Ihrem. Ein langsamer Atem vor dem Meeting verändert die Atmosphäre im Raum.
Körperspannung und Bewegung
Entspannte Schultern, offene Haltung, ruhige Bewegungen: Das Nervensystem Ihres Teams liest diese Signale als „sicher". Hochgezogene Schultern, verschränkte Arme, hektische Gesten werden als „Gefahr" interpretiert.
Was Sie konkret tun können
Physiologische Sicherheit beginnt bei Ihnen. Nicht bei Ihrem Team. Diese fünf Praktiken sind neurobiologisch fundiert und in meiner Coaching-Arbeit vielfach erprobt.
Vagale Regulation vor dem Meeting
90 Sekunden verlängertes Ausatmen (4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus) aktiviert den ventralen Vagus. Machen Sie das vor jedem wichtigen Meeting. Ihr Nervensystem setzt den Ton für den Raum.
Selbstwahrnehmung trainieren
Lernen Sie, Ihren eigenen Nervensystemzustand zu erkennen. Fragen Sie sich: Bin ich gerade im sozialen Engagement, in Kampf/Flucht oder in der Erstarrung? Nur was Sie bemerken, können Sie regulieren.
Sicherheitssignale bewusst senden
Blickkontakt halten, Namen verwenden, echtes Interesse zeigen. Diese Verhaltensweisen aktivieren den ventralen Vagus Ihres Gegenübers. Sie sind einfach und wirkungsvoll.
Kernimpuls
Psychological Safety ist kein Kulturprojekt. Es ist ein neurobiologisches Phänomen. Ihr Team ist so reguliert wie Sie. Nicht weil es schwach ist, sondern weil Co-Regulation ein Überlebensmechanismus ist, der seit Jahrmillionen in uns verankert ist. Die beste Investition in Teamperformance ist nicht ein neues Werteplakat. Es ist die Fähigkeit, Ihr eigenes Nervensystem zu regulieren, bevor Sie den Raum betreten.
Ehrliche Bestandsaufnahme
Nehmen Sie sich fünf Minuten. Diese Fragen sind unbequem, aber sie sind der Anfang.
Quellen: Porges, S. W. (2011). The Polyvagal Theory. W. W. Norton. | MDPI (2025). Polyvagal Theory and the Coaching Leadership Style. | Google Re:Work (2015). Project Aristotle: Team Effectiveness Research. | APA Trends 2026: Psychological Safety als stärkster Team-Prädiktor.
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