DennisTefett
Executive Coaching
Führung & Wirkung

Physiologische Sicherheit: Warum Ihr Nervensystem Ihr Team reguliert

Neurowissenschaft

Google hatte recht. Aber nicht recht genug.

2015 zeigte Googles Aristoteles-Projekt, dass Psychological Safety der stärkste Prädiktor für Teamperformance ist. Stärker als Talent, Erfahrung oder Struktur. Was Google nicht wusste: Die neurologische Grundlage geht viel tiefer.

Die meisten Führungskräfte verstehen Psychological Safety als Kulturthema: Offene Kommunikation fördern, Fehler tolerieren, psychologische Sicherheit im Team schaffen. Das ist nicht falsch. Aber es greift zu kurz.

Eine Studie vom November 2025 (MDPI) verbindet erstmals die Polyvagal Theory von Stephen Porges mit dem Coaching Leadership Style. Das Ergebnis verändert unser Verständnis grundlegend: Physiologische Sicherheit, messbar über Herzratenvariabilität und vagale Aktivität, ist die Voraussetzung für psychologische Sicherheit. Nicht ihr Ergebnis.

Das bedeutet: Ihr Team fühlt sich nicht sicher, weil Sie es sagen. Es fühlt sich sicher, weil Ihr Nervensystem Sicherheit ausstrahlt.

#1
Prädiktor für Teamperformance (Google, 2015)
2025
Erstmals neurologische Grundlage nachgewiesen (MDPI)
3
Nervensystem-Zustände nach Polyvagal Theory
Infografik Physiologische Sicherheit: Co-Regulation zwischen Führungskraft und Teammitglied, drei Nervensystem-Zustände nach Polyvagal Theory (Ventraler Vagus, Sympathikus, Dorsaler Vagus) und deren Auswirkungen auf Teams. Basierend auf dem Google Aristoteles-Projekt 2015.
Physiologische Sicherheit: Wie Ihr Nervensystem Ihr Team reguliert. © 2026 Dennis Tefett
Die Polyvagal Theory

Drei Zustände, die alles erklären

Stephen Porges identifizierte drei neuronale Zustände, die bestimmen, ob ein Mensch kreativ zusammenarbeitet, kämpft oder sich zurückzieht. Diese Zustände sind nicht willentlich steuerbar. Sie werden durch das autonome Nervensystem reguliert.

Soziales Engagement

Der ventrale Vagus ist aktiv. Das Nervensystem signalisiert Sicherheit. In diesem Zustand sind Kreativität, Vertrauen und echte Zusammenarbeit möglich. Hier entsteht Innovation.

Kampf oder Flucht

Der Sympathikus dominiert. Das Nervensystem signalisiert Gefahr. In diesem Zustand reagieren Teammitglieder mit Wettbewerb, Kontrolle, Angst oder Aggression. Hier entstehen Konflikte.

Erstarrung

Der dorsale Vagus übernimmt. Das Nervensystem signalisiert Lebensgefahr. In diesem Zustand zieht sich das Team zurück: Resignation, Quiet Quitting, innere Kündigung.

„Der Nervensystemzustand der Führungskraft bestimmt den Nervensystemzustand des Teams. Das ist keine Metapher. Das ist Neurobiologie.“

— Basierend auf Stephen Porges, Polyvagal Theory (2011)

Co-Regulation

Ihr Nervensystem reguliert Ihr Team

Der neurobiologische Mechanismus dahinter heißt Co-Regulation. Er erklärt, warum manche Führungskräfte Räume beruhigen, während andere sie destabilisieren.

Co-Regulation ist kein abstraktes Konzept. Es ist ein neurobiologisch nachgewiesener Mechanismus, bei dem der Nervensystemzustand einer Person den einer anderen beeinflusst. Besonders stark wirkt er in hierarchischen Beziehungen.

Wenn Sie als Führungskraft in einem Meeting sitzen und innerlich unter Druck stehen, spürt Ihr Team das. Nicht bewusst. Aber die Amygdala Ihrer Teammitglieder registriert Ihre Mikrosignale: Ihre Stimmfrequenz, Ihre Gesichtsmikromimik, Ihre Atemtiefe, Ihre Körperspannung. Und passt den eigenen Alarmzustand an.

Ein reguliertes Nervensystem bei der Führungskraft reguliert das Team mit. Ein dysreguliertes Nervensystem dysreguliert es. Unabhängig davon, wie viele Werte an der Wand hängen oder wie oft Sie betonen, dass Fehler erlaubt sind.

Dysregulierte Führung
Regulierte Führung
Teamreaktion
Team spürt Anspannung, wird vorsichtig
Team spürt Sicherheit, wird kreativ
Mikrosignale
Mikrosignale erzeugen Alarmbereitschaft
Mikrosignale erzeugen Vertrauen
Meeting-Atmosphäre
Meetings fühlen sich bedrohlich an
Meetings fühlen sich produktiv an
Fehlerkultur
Fehler werden versteckt
Fehler werden angesprochen
Nervensystem
Sympathikus-Dominanz im Team
Ventraler Vagus aktiv im Team
Die 4 Mikrosignale

Was Ihr Körper in den Raum sendet

Ihr Team liest permanent vier Kanäle Ihres Nervensystems. Keiner davon ist bewusst steuerbar, alle sind trainierbar.

01

Stimmfrequenz und Prosodie

Ein reguliertes Nervensystem erzeugt eine warme, modulierte Stimme mit natürlicher Variation. Unter Stress wird die Stimme höher, monotoner oder gepresst. Ihr Team hört den Unterschied, bevor es ihn versteht.

02

Gesichtsmikromimik

Die Muskeln um Augen und Mund werden vom Vagusnerv gesteuert. Ein aktiver ventraler Vagus erzeugt ein „offenes" Gesicht mit echtem Lächeln (Duchenne-Lächeln). Unter Stress wird das Gesicht maskenartig oder angespannt.

03

Atemtiefe und Rhythmus

Tiefe, langsame Atmung signalisiert Sicherheit. Flache, schnelle Atmung signalisiert Gefahr. Ihr Team synchronisiert unbewusst seinen Atemrhythmus mit Ihrem. Ein langsamer Atem vor dem Meeting verändert die Atmosphäre im Raum.

04

Körperspannung und Bewegung

Entspannte Schultern, offene Haltung, ruhige Bewegungen: Das Nervensystem Ihres Teams liest diese Signale als „sicher". Hochgezogene Schultern, verschränkte Arme, hektische Gesten werden als „Gefahr" interpretiert.

Praxis

Was Sie konkret tun können

Physiologische Sicherheit beginnt bei Ihnen. Nicht bei Ihrem Team. Diese fünf Praktiken sind neurobiologisch fundiert und in meiner Coaching-Arbeit vielfach erprobt.

Vagale Regulation vor dem Meeting

90 Sekunden verlängertes Ausatmen (4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus) aktiviert den ventralen Vagus. Machen Sie das vor jedem wichtigen Meeting. Ihr Nervensystem setzt den Ton für den Raum.

Selbstwahrnehmung trainieren

Lernen Sie, Ihren eigenen Nervensystemzustand zu erkennen. Fragen Sie sich: Bin ich gerade im sozialen Engagement, in Kampf/Flucht oder in der Erstarrung? Nur was Sie bemerken, können Sie regulieren.

Sicherheitssignale bewusst senden

Blickkontakt halten, Namen verwenden, echtes Interesse zeigen. Diese Verhaltensweisen aktivieren den ventralen Vagus Ihres Gegenübers. Sie sind einfach und wirkungsvoll.

Kernimpuls

Psychological Safety ist kein Kulturprojekt. Es ist ein neurobiologisches Phänomen. Ihr Team ist so reguliert wie Sie. Nicht weil es schwach ist, sondern weil Co-Regulation ein Überlebensmechanismus ist, der seit Jahrmillionen in uns verankert ist. Die beste Investition in Teamperformance ist nicht ein neues Werteplakat. Es ist die Fähigkeit, Ihr eigenes Nervensystem zu regulieren, bevor Sie den Raum betreten.

Reflexion

Ehrliche Bestandsaufnahme

Nehmen Sie sich fünf Minuten. Diese Fragen sind unbequem, aber sie sind der Anfang.

In welchem Nervensystemzustand befinde ich mich am häufigsten während der Arbeit? Soziales Engagement, Kampf/Flucht oder Erstarrung?
Wie reagiert mein Team, wenn ich unter Druck stehe? Werden Teammitglieder stiller, angespannter oder aggressiver?
Wann habe ich zuletzt bewusst meinen Nervensystemzustand reguliert, bevor ich einen Raum betreten habe?
Welche Mikrosignale sende ich in Stresssituationen? Was würde mein Team sagen, wenn ich es fragen würde?
Gibt es in meinem Team Quiet Quitting oder inneren Rückzug? Was könnte das über meinen eigenen Nervensystemzustand aussagen?

Quellen: Porges, S. W. (2011). The Polyvagal Theory. W. W. Norton. | MDPI (2025). Polyvagal Theory and the Coaching Leadership Style. | Google Re:Work (2015). Project Aristotle: Team Effectiveness Research. | APA Trends 2026: Psychological Safety als stärkster Team-Prädiktor.

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Stimmen aus der Praxis
A.R.

“Die Kombination aus psychologischer Tiefe und unternehmerischem Verständnis ist einzigartig. Dennis versteht den Druck, unter dem wir stehen.”

Managing Director, Finanzbranche

Team-Fluktuation von 35% auf 8% gesenkt

C.M.

“Das Erstgespräch hat mir mehr gebracht als 10 Stunden bei meinem vorherigen Coach. Die Diagnostik zeigt einem schonungslos, wo man steht.”

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